Ausleitende Verfahren
Aschner-Therapie
Besonders die von humoraltherapeutischen Vorstellungen geprägte Aschner-Therapie hat zum Ziel, Blut- und Lymphstauungen im Bereich des Ohres und des Kraniums zu beseitigen, aber auch durch Beeinflussung des Hämatokrits die Blutviskosität zu verbessern und Stoffwechselendprodukte „auszuleiten“.
Der optimale Hämatokrit im Hinblick auf die Sauerstoffversorgung liegt bei 0,38-0,44 (4,8), also eher noch unterhalb des physiologischen Bereiches (Männer: 0,44-0,46, Frauen 0,41-043). Damit erfährt das tradierte Verfahren des „kleinen Aderlasses“ klinisch eine gewisse Berechtigung. Beim kleinen Aderlass der Aschner-Therapie werden 50 bis 100 (maximal 150) ml Blut entnommen. Flüssigkeit wird nicht substituiert, um einen nach intravasal gerichteten Flüssigkeitsstrom aus dem Gewebe zu erreichen. Er kann zweimal wöchentlich über zwei Wochen vorgenommen werden. Kontraindikationen wie arteriosklerotische zerebrale Gefäßveränderungen, Erfordernishochdruck, Anämie, Karotisstenose, Hypotonie usw. sind zu beachten.
Unbedingt vermieden werden muss die Anregung der Erythropoiese durch zu große Aderlassmengen. Auch blutdruckrelevante Auswirkungen des Aderlasses sind zu vermeiden, d. h., je nach Ausgangsblutdruck bzw. Hinweisen auf orthostatische Instabilität muss die Aderlassmenge angepasst werden. Ein vorausgehender Schellong-Test ist zu empfehlen.
Schröpfen im Nacken-Schulter-Bereich ist ein weiteres, in der Praxis bewährtes Aschner-Verfahren bei Tinnitus, v. a., wenn das Symptom in Verbindung mit Gelosen der entsprechenden Muskulatur, mit einer Kopfschmerzanamnese und mit Plethora auftritt. Je nachdem, ob eine Fülle- oder Leeregelose vorliegt, wird blutig oder unblutig geschröpft. Die Wirkung entspricht beim blutigen Schröpfen einem kleinen Aderlass. Zusätzlich werden reflektorische Wirkungen im Segment durch Stimulation der Nozizeptoren geltend gemacht.
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